Schulhöfe im Wandel


Grüne Lern- und Lebensräume




Frankfurter Schulhöfe sind in den vergangenen Jahren vielgestaltiger und lebendiger geworden. Schulen haben sich auf den Weg gemacht und ihre Schulhöfe durch das Engagement von Schüler/-innen, Lehrer/-innen und Eltern kindgerecht und naturnah umgestaltet. Eine Reihe von Schulen sind weiter gegangen und haben darüber hinaus die Pflege der Freiflächen in die eigene Hand genommen (siehe Abschnitt Pflege). Naturnah gestaltete Schulhöfe haben einen hohen Anregungscharakter, verfügen über differenzierte Bewegungs-, Rückzugs- und Gestaltungsräume und besitzen eine hohe ästhetische Qualität. Sie entwickeln sich zu lebendigen Lern- und Lebensräumen für Mensch und Natur. "Grüne Schulhöfe" schaffen Raum für persönliches und soziales Wachstum, fördern das Wohlbefinden und steigern die Lernmotivation.



"Grüne Schulhöfe" umfassen unterschiedliche Aspekte:

Lernen:

  • Lernorte im Freien, Grünes Klassenzimmer, Schulgarten

Spiel und Kommunikation:

  • Bespielbare Natur- und Bewegungselemente, offene und individuell gestaltbare Räume
  • Nischen und Rückzugsbereiche, Treffpunkte und Sitzgelegenheiten

Siedlungsökologie:

  • Entsiegelung und Herstellung wasserdurchlässige Beläge, Vergrößerung von Baumscheiben, Bepflanzungen und Fassadenbegrünung
  • Schaffung und Schutz von Biotopen

Wenn Schulen ihre Freiflächen verändern, stellen sich nicht nur gestalterische, sondern auch pädagogische Fragen zu einem neuen Umgang mit dem Schulhof. Im Kontext der Schulentwicklungsdiskussion bietet es sich an, Schulentwicklung auch von der Freiflächenentwicklung her zu denken. Die Umgestaltung und Pflege von Schulhöfen eröffnet Perspektiven zur Erprobung von Eigenverantwortlichkeit der Schulen. Der Schwerpunkt der Schulhofprojekte liegt in der schrittweisen nutzerorientierten und ökologischen Umgestaltung. Eine prozessorientierte Planung unter Einbeziehung aller Beteiligten und eine Realisierung mit "Hand, Kopf und Herz" ermöglicht soziales und ökologisches Lernen. Sie vermittelt Handlungskompetenz und kann so zu einem Baustein einer Bildung für eine nachhaltige Entwicklung werden. In Frankfurt werden Schulhofprojekte vom Stadtschulamt unterstützt. Fachliche Beratung und Hilfe bei der Realisierung erfolgen durch Umweltlernen in Frankfurt e.V. und das Grünflächenamt. Schulgartenprojekte werden von der Frankfurter Sparkasse durch den Wettbewerb "Natur und Schule" gefördert.



Recycling-Kunststoffe im Spielplatzbau – Beispiel Comeniusschule


Legosteine und Musik-CD, Tupperdose und Fleecepullover - Kunststoffprodukte begleiten allgegenwärtig unseren Alltag. Dabei entstehen große Mengen Kunststoffabfälle, die zum Teil für Produkte aus Recycling-Kunststoff verwertet werden. Materialgerecht eingesetzt können sie auch im Spielplatzbau Verwendung finden. Beim Pilotprojekt Comeniusschule wurde erfolgreich erprobt, wie Elemente aus Recycling-Kunststoff auch in naturnah gestalteten Spiellandschaften Verwendung finden können. Dies ist zum einen technisch begründet (Fäulnisresistenz, Haltbarkeit des Materials). Kunststoffprodukte können aber auch auf Grund ihres eigenständigen Materialcharakters zum Einsatz kommen. Neben Stein und Stammholz, Busch und Baum, gemauerter Spielfigur und gesetztem Trockenstein kann der Recyclingkunststoff wirkungsvoll Eigenwert und Qualität darstellen. Das Projekt Comeniusschule wurde von Umweltlernen in Frankfurt e.V. und vom Grünflächenamt der Stadt Frankfurt in Zusammenarbeit mit der Schule geplant und realisiert. Das Modellprojekt wurde möglich durch die finanzielle Unterstützung der Remondis AG und der FES. Zur pädagogischen Vermittlung der Fragestellung um die Themen Abfall und Kunststoffrecycling wurde vom Umweltlernen in Frankfurt e.V. in Zusammenarbeit mit der FES eine Lernwerkstatt unter dem Motto „Ich war ein Joghurtbecher“ realisiert.








"Like a Rolling Stone" - Steinbearbeitungsprojekt mit Schüler/-innen


Steinmaterial bietet Kindern vielfältige Spiel- und Erfahrungsmöglichkeiten. Als Kletterfels im Spielberg oder Hinkelstein inmitten der Wiesenfläche, zwischen Busch und Baum oder nah dem Sandkasten - als Elemente zum Klettern und Balancieren, als Verstecke und ruhende Pole in den Spielzonen reichern Felsen die Schulhoflandschaft an. Als künstlerisch gestaltete Objekte geben sie den Schulhöfen einen individuellen Charakter. Über den gestatenden Prozess vermitteln sich ästhetische Erfahrungen. Integriert in den pädagogischen Alltag des Kunst- und Werkunterrichts erlernen Schüler/-innen den Gebrauch von Steinbearbeitungswerkzeug. Was zu Beginn der Arbeit rau, schroff und scharfkantig erscheint erhält Form, Ornament und Schliff. Als Material dient hierbei Tuffgestein aus der Eifel, dessen Konsistenz eine Bearbeitung durch Schüler/innen ( ab 10 Jahren ) möglich macht. Ausgestattet mit Schutzbrille, Schrifthammer und Meißel sind Kinder begeistert an der Arbeit, hinterlassen Spuren und Zeichen im Gestein, die ihnen anschließend auf dem Schulhof wieder begegnen. Diese aktive Teilnahme an der Gestaltung der Spiellandschaft vermittelt den Schüler/-innen das Gefühl von Selbstwirksamkeit und Identifikation mit der Schule. Realisierte Projekte befinden sich in den Schulhöfen der Anne-Frank-Schule, der Bettina-Schule, der Ernst-Reuter-Schule, der Eduard- Spranger- Schule, der Peter- Petersen-Schule, der Merian-Schule und zahlreichen Kindertagesstätten Frankfurts.








Unterstützungsstruktur Werkzeug für Umgestaltungen


  • Im Arbeitskreis "Forum Schulhöfe" tauschen Lehrerinnen und Lehrer ihre Erfahrungen aus, beraten neue Projekte und bilden sich im Bereich ökologischer Schulhofgestaltung fort. Der Arbeitskreis wird vom Verein UMWELTLERNEN IN FRANKFURT organisiert und vom Grünflächenamt fachlich unterstützt.
  • Der Werkstatt-Tag ist eine besondere Form von praxisorientierter Fortbildung. In dieser Veranstaltung helfen Lehrer/-innen Frankfurter Schulen der gastgebenden Schule bei der Realisierung von Schulhofprojekten. Sie lernen von den anleitenden Handwerker/-innen, Planer/-innen und Pädagog/-innen handwerkliche Techniken und methodische Kniffe für die Planung und Umsetzung mit Schülern. Arbeitsblätter des Vereins Umweltlernen bieten Anregungen und technische Hinweise zu verschiedenen Gestaltungselementen.
  • Die BauSchachtel, ein Container mit Werkzeugen, ist ein wichtiges Hilfsmittel für Projekte in Schulen und Kindertageseinrichtungen. Seit Mai 94 sind zwei Werkzeugcontainer im Einsatz.








Liste der Arbeitsblätter zum Thema Schulhofumgestaltung

  • Lesen

    - Auswahl von Büchern und Publikationen zum Thema
  • Fragen

    - Ansprechpartner innerhalb und außerhalb der Stadtverwaltung
  • Planen

    - Erfahrungen und Tipps zum Planungsprozeß, Planen mit Schüler/-innen
  • Entsiegeln

    - Aufbruch zu einem neuen Schulhof, wasserdurchlässige Beläge
  • Flechten

    - Gestaltungsmöglichkeiten mit Weiden: Weidenzäune, Weideniglus, ...
  • Fördern

    - Tipps zur Förderung der Artenvielfalt auf dem Schulgelände
  • Konstruieren

    - Tipps zum Bau von Spielgelegenheiten aus Holz
  • Mauern

    - Mauern, Skulpturen aus Zementmörtel und anderes
  • Modellieren

    - Gestaltungsmöglichkeiten durch Geländemodellierung: Hügel, Kriechröhren, Rasensitzbänke ...
  • Bewegen

    - Bau einer Bewegungsbaustelle mit Reifenwürfeln
  • Pflanzen

    - Gestaltungsmöglichkeiten mit Gehölzpflanzungen, Gehölzauswahl, Pflanzpraxis
  • Verboten?

    - Giftpflanzenliste für das Land Hessen

Die Arbeitsblätter sind für Frankfurter Schulen und städtische Kindertagesstätten kostenlos. Andere Einrichtungen, Institutionen und Initiativen legen bitte 2.20 € in Briefmarken als Unkostenbeitrag bei ihrer Bestellung bei.


Angebote für Schulen und Schulträger


Informationsvortrag

Ziele:

  • Überblick zur Umgestaltung von Schulhöfen
  • Motivation zur Durchführung eines Projektes

Zielgruppe:

  • Lehrer/-innen, Eltern

Ablauf

  • PPT-Präsentation
  • Fakultativ erste Begehung des Geländes

Beratung und Planungshilfe "Vor-Ort"

Ziele:

  • Erstanalyse der Schwächen und Stärken des Schulhofes
  • Entwicklung von Planungszielen

Zielgruppe:

  • Lehrer/-innen, Eltern, Schulträger

Ablauf:

  • Begehung des Schulhofes
  • Brainstorming zu Entwicklungszielen des Schulhofes
  • Planerische und organisatorische Hinweise zur Realisierung von Selbsthilfeprojekten

Pädagogischer Tag mit dem Schwerpunkt "Schulhof"

Ziele:

  • Bestandsaufnahme des bestehenden Schulhofes und der Aktivitäten auf dem Schulhof
  • Entwicklung eines Leitbildes für den Schulhof
  • Festlegung von Projektzielen und Vereinbarung des Projektablaufs

Zielgruppe:

  • Lehrer/-innen, Eltern, Schulträger

Ablauf:

  • Begehung des Geländes, Analyse von Spielspuren, u.U. Spielanalyse
  • Problemanalyse
  • Ideenpool
  • Brainstorming
  • Zielfestlegung
  • Projektplanung

Projektleitung

  • Dialogische Projektplanung
  • Ablauforganisation
  • Bauleitung
  • Fachliche Hilfe zur Selbsthilfe
  • Unterstützung bei der Finanzierung