Energiespar-Projekt


Schülerinnen und Schüler erkunden mit Messgeräten ihr Schulgebäude, suchen gemeinsam mit Schulhausverwaltern und Lehrern nach Energielecks, texten Infos für Mitschüler und entwerfen Plakate: Die vielfältigen Aktionen an den Frankfurter Schulen belegen, dass Energiesparen Spaß macht und dass sich Grundschulen wie weiterführende Schulen hervorragend dazu eignen, das Energie-Projekt in den Unterricht einzubinden. Energiesparen an Schulen bringt auch was: Allein im Jahr 2013 haben die über 100 Frankfurter Energiesparschulen den Energieverbrauch um 10 500 MWh reduziert, ohne dass jemand frieren oder im Dunkeln sitzen musste. 1 160 000 Euro (16%) wurden eingespart, dies noch einmal mehr als im Vorjahr! Davon kamen 50% den Schulen zugute, die anderen 50% stehen für energiesparende Investitionen zur Verfügung. Das Energieprojekt nutzt nicht nur den einzelnen Schulen, sondern ist durch die Verringerung der CO2 Emissionen (3 500 Tonnen im Jahr 2013) auch ein wirksamer Beitrag zum Klimaschutz. Frankfurter Schulen, die am Projekt teilnehmen möchten, werden nicht allein gelassen. Sie werden mit einer erprobten Seminarreihe qualifiziert und durch Beratung, Moderation. Coaching und Materialien unterstützt. Haben Sie Interesse? Im Folgenden erfahren Sie mehr über Projekthintergrund, Erste Schritte, Unterstützungsstruktur, Beispiele und die erzielte Einsparung.








Projekthintergrund


Die Stadt Frankfurt am Main hat sich als Mitglied des Klima-Bündnisses der europäischen Städte das Ziel gesetzt, die Kohlendioxid-Emissionen deutlich zu reduzieren und damit ihren Beitrag zum Schutz des Weltklimas zu leisten. Erfahrungen zeigen, dass allein durch eine sorgfältigere Bedienung der Anlagen und bewußteres Nutzerverhalten der Energie- und Wasserverbrauch zwischen 5 und 15% reduziert werden. Zur Senkung des Verbrauchs in städtischen Liegenschaften hat der Magistrat deshalb auch eine Erfolgsbeteiligung für die Nutzer beschlossen. Unter dem Motto "Energie sparen - Budget steigern" hat das Stadtschulamt 1998 in Zusammenarbeit mit dem Verein Umweltlernen in Frankfurt und dem Hochbauamt ein Projekt zur Energieeinsparung an Schulen gestartet. Grundlage für die Reduzierung des Energieverbrauchs an Schulen ist ein funktionierendes schulinternes Energiemanagement. Die Verbrauchskontrolle erfolgt vor Ort und wird mit dem Betrieb korreliert. Die Einstellung der Anlagen kann direkt der Nutzung angepasst werden. Um die Organisation und Technik an die Bedürfnisse der Schule anzupassen, werden Schulungen schul- und gebäudespezifisch realisiert. Schulinternes Energiemanagement macht das Wissen von Hausmeistern, Lehrern, Eltern und Schülern zum "Brennstoff" für die Reduzierung des Energieverbrauchs von Schulen. Schulinternes Energiemanagement muss organisiert werden. Schüler, Lehrer, Schulhausverwalter und Eltern kommen deshalb zu einem Energie-Dialog an einem "runden Tisch" zusammen und bilden ein Energie-Team. Das E-Team entwickelt einen Handlungsplan zum Energie- und Wassersparen und organisiert die schrittweise Umsetzung. Der Dialog mit den unterschiedlichen Beteiligten über bestehende Probleme und das Aufstellen eines Handlungsplans zum Energiesparen entspricht dem Agenda-Prozess. Er vermittelt den Beteiligten Kommunikations- und Handlungskompetenz. Der sparsame Umgang mit Energie und Wasser ist nicht nur ökonomisch und ökologisch geboten. Er eignet sich in besonderem Maße dafür, das Thema als Lern-, Handlungs- und Erfahrungsfeld in die pädagogische Praxis zu integrieren und damit sowohl Kinder und Jugendliche wie auch beteiligte Erwachsene für die Thematik zu sensibilisieren. Das Projekt ist somit auch Baustein einer Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Energiesparen an Schulen - Erste Schritte


Die ersten Schritte beim Energiesparen sind die einfachsten. Bei einem Rundgang durch die Schule werden die offensichtlichen "Energielecks" aufgespürt. Viele "Energielecks" lassen sich durch schulische Mittel "schließen", z.B. durch Verhaltensänderungen der Nutzer, organisatorische Maßnahmen oder optimierte Einstellung der Haustechnik.



Energie-Test


  • Wieviel Strom, Brennstoff und Wasser verbraucht Ihre Schule pro Jahr? Welche Kosten entstehen dabei? Fragen Sie Schulleitung, Schulhausverwalter und Schulträger! Vergleichen Sie ihre Verbrauchswerte mit anderen Schulen!
  • Sind Räume beleuchtet oder elektrische Geräte eingeschaltet, obwohl sie nicht genutzt werden? "Energiefresser" sind z.B. Lüftungsanlagen, Boiler, Kopierer, Kaffeemaschinen, Kühlschränke, Beleuchtung. Was nicht benötigt wird: Abschalten!
  • Ist das Schulgebäude oder einzelne Räume zu warm? Erfolgt die "Temperaturregelung" über das Fenster? Unterrichtsräume sollten 20°C warm sein. Ist die Vorlauftemperatur der Heizzentrale richtig eingestellt? Sind die Nutzer über "richtiges Lüften" und die Bedienung von Thermostatventilen informiert?
Nach Beantworten der Fragen können Sie erste Schwerpunkte für Ihr Energiesparprojekt festlegen. Als Grundregeln gelten dabei: Die Nutzer über das Vorhaben informieren, ihre Bedürfnisse ernstnehmen, gemeinsam mit den Beteiligten Lösungen erarbeiten - also einen schulischen "Energie-Dialog" beginnen. Gerne unterstützen wir Schulen und Schulträger dabei. Vielfältige technische Informationen zum Energiesparen an Schulen finden sie auch im Internet, z.B. im Klimanet.

Unterstützungsstruktur für die Schulen


Die Schulen werden bei ihren Energiesparaktivitäten nicht alleingelassen, sondern vom Verein UMWELTLERNEN IN FRANKFURT, dem Hochbauamt, der Mainova AG und dem Amt für Lehrerbildung umfassend unterstützt. Die Unterstützungsstruktur umfasst Moderation, Fortbildung und Materialien. Die Gesamtkoordination erfolgt durch UMWELTLERNEN IN FRANKFURT e.V..

Nutzergespräche


Als Auftakt für einen Energie-Dialog führt UMWELTLERNEN IN FRANKFURT e.V. moderierte Nutzergespräche an den Pilotschulen durch. Hierbei kommen Schulleiter/-in, Schulhausverwalter/-in, Lehrer/-innen, Schüler/-innen und Eltern "an einen runden Tisch" zusammen, stimmen die Leitziele des Projektes ab und treffen organisatorische Vereinbarungen.

Energierundgänge


Der nächste Schritt ist die Einweisung der "E-Teams" in die Methode der "Energierundgänge". Hierbei erfolgt eine gründliche Bestandsaufnahme der Nutzungsbedingungen, des Energie- und Wasserverbrauchs und das Aufspüren offensichtlicher "Energielecks". Messgeräte und Messbögen werden den Schulen von UMWELTLERNEN IN FRANKFURT e.V. und der Mainova zur Verfügung gestellt. Ergänzend hierzu erfolgte durch das Hochbauamt an zwei Schulen eine thermografische Erfassung.

Maßnahmenkatalog


Welche Maßnahmen sind sinnvoll? Wie können die Nutzer motiviert werden? Soll eine Nutzerschulung - etwa zu Beginn der Heizperiode - erfolgen? In welche Schritte können die Maßnahmen geteilt werden? Durch sorgfältige Analyse der Verbrauchsdaten und der Nutzungsgewohnheiten und mit Hilfe von Anregungen aus Schulen, in denen seit längerem erfolgreiche Energiesparprojekte stattfinden, werden individuelle Lösungen erarbeitet (Beispiel Franckeschule)

Coaching für Schulhausverwalter/-innen


Zusätzlich können Schulhausverwalter/-innen sich von einem Energiecoach unterstützen lassen. Der diplomierte Energieberater berät Vor-Ort in technischen Fragen und unterstützt die Schulhausverwalter/-innen bei Problemen.

Ergebnisse des Energieprojekts


  • Der Ressourcenverbrauch wurde im Zeitraum von 1999 bis 2012 um 75 000 MWh reduziert und die CO2 Emissionen um 27 000 t verringert. Dies entspricht dem Energieverbrauch von über 675 Familien.
  • Die eingesparten 6 Millionen Euro wurden nicht unproduktiv "verheizt". Mit dem Geld konnten energiesparende Maßnahmen realisiert werden.
  • Schüler/-innen wurden durch handlungsorientierte Arbeit motiviert. Das Schulbudget wurde um die Erfolgsbeteiligung erhöht.


Die Projektschulen (Auswahl)
Grund-, Haupt- und Realschulen

  • Anne-Frank-
  • Bonifatius-
  • B.Otto.-
  • B.-Grimm-
  • E. Brandström
  • Franckeschule
  • Friedrich-Fröbel-
  • Friedrich-List-
  • G.-Riedberg
  • H.-Dunand-
  • H.-Seliger-
  • Holzhausen-
  • Merian-
  • Minna-Specht-
  • Hostatoschule
  • Michael-Ende-
  • Textorschule
  • Uhlandschule

Gymnasien

  • Bettinaschule
  • Elisabethen
  • Musterschule
  • Liebigschule
  • M.-Beckmann-
  • Wöhlerschule

Gesamtschulen

  • Friedrich-Ebert-
  • IGS-Nordend
  • Paul-Hindemith-

Berufsschulen-

  • Franz-Böhm-
  • J.-Leber-
  • P.-Holzmann-
  • W.-v.-Siemens

Beispiele eines Maßnahmenkataloges (Franckeschule):
Schritte zum schulinternen Energiemanagement

Information und Motivation zur Umsetzung in den Klassen (Kollegen/-innen, Schüler/-innen):


  • Thermostateinstellung beachten (2 bis 3)
  • Stoßlüften bei abgedrehten Ventilen
  • Temperatur mit Klassenthermometer messen
  • Ergänzende Lux- und Temperaturmessungen
  • Licht ausschalten während der großen Pausen
  • Ausschalten von überflüssigen Leuchtbändern wenn möglich
  • Sparsam mit Wasser umgehen, Wasserhahn nicht tropfen lassen
  • Plakate zum Energiesparen erstellen und aufhängen
  • Bearbeitung des Themas im Unterricht

Schulhausverwalter


  • Heizkörper im Windfang zurückdrehen/abdrehen
  • Heizkörper in den Umkleideräumen zurückdrehen
  • Vorlauftemperatur absenken
  • Nach Belegungsplan überprüfen, wann die Nachtabsenkung erfolgen kann
  • Fenster in Raum 8 kontrollieren, schließt nicht richtig
  • Fenster in Aula kontrollieren
  • Eingangstür (Süd) abdichten, da Zug besteht
  • Boiler in Raum 112 abstellen
  • Strahlregler an Waschbecken reinigen
  • In überbeleuchteten Räumen (Lehrerzimmer, kleine Räume, Umkleideräume) Leuchtstoffröhren rausdrehen
  • In zu dunklen Räumen Röhren austauschen
  • Flackernde Röhren austauschen

Information und Motivation zur Mitarbeit der Eltern


  • Info über Energiesparen auf Elternabenden
  • Mitarbeit im E-Team
  • Unterstützung der Unterrichtsarbeit durch häusliches Energiesparen

E-Team


  • Information und Motivation der Schulgemeinde (siehe oben)
  • Bereitstellen von Unterrichtsmaterialien
  • Überwachung der Messungen von Licht und Temperaturen
  • Überprüfung der Nachtabsenkung
  • Ablesung und Erfassung des Verbrauchs und der Einsparungen
  • Beantragung und Besorgung von Thermostatventilen, Toilettenspülstop und Perlatoren
  • Kontakte zu Umweltlernen in Frankfurt e.V., Hochbauamt, Mainova (Tarifberatung)